Folge #9 – Vegan für Kleinkinder: Darauf solltest du achten (Teil 2)

VEGANES FAMILIENLEBEN

DER PODCAST

In dieser Woche folgt der zweite Teil eurer Fragen zur veganen Ernährung von Kleinkindern bis zum ersten Lebensjahr. Dieses Mal wird es um viele unterschiedliche Themen gehen – beispielsweise Soja, Hülsenfrüchte, Smoothies und Nüsse. Viel Spaß beim reinhören!

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SHOWNOTES ZUR EPISODE

Frage Nr. 1: Welche Nahrungsmittel brauchen Kleinkinder unbedingt?

Möglichst viele! Wie bei uns Erwachsenen auch sollte dein Kind eine möglichst ausgewogene und vielseitige Lebensmittelauswahl haben, um bestmöglich mit allen Nährstoffen versorgt zu werden. Du brauchst dabei auch vor keinen vollwertigen Lebensmitteln Angst haben. Gemüse, Obst, Getreide/Pseudogetreide, Hülsenfrüchte, Milchalternativen und auch Öle dürfen regelmäßig auf dem Speiseplan deines Kindes stehen. Zu Beginn der Beikost ist es aber empfehlenswert, immer nur schrittweise ein neues Lebensmittel nach dem anderen einzuführen, um die Verträglichkeit besser einschätzen zu können.

Außerdem solltest du auf besonders eisenreiche Lebensmittel achten, da dein Kind über die Muttermilch damit nicht versorgt werden kann und seine eigenen Eisenspeicher nur bis zum 6. Lebensmonat ausreichen. Besonders eisenreich sind beispielsweise Hafer, Hirse, Amaranth, Roggen und Linsen, die du gut für die Beikost pürieren kannst. Kombiniere diese Lebensmittel immer mit Vitamin-C-reichem Obst oder Gemüse (z. B. 2–3 EL frischer Saft oder Obstbrei), um so die Eisenresorption im Darm zusätzlich zu steigern.

Frage Nr. 2: Ab wann können Kinder grüne Smoothies bekommen?

Ein Säugling ist noch zu jung, um Smoothies als Nahrung aufzunehmen. Das liegt vor allem daran, dass sich der Verdauungstrakt deines Kindes erst noch an die pflanzliche Kost gewöhnen muss, was seine Zeit braucht. Gerade Rohkost ist auch schwieriger zu verdauen, weshalb du ungefähr bis zum 6. oder 7. Monat warten solltest und dich dann langsam an Smoothies herantasten kannst. Soll dein Kind den Smoothie selbstständig trinken, muss es dafür natürlich in der Lage sein, den Strohhalm oder das Glas sicher zum Mund zu führen und die Flüssigkeit zu schlucken. Alternativ kannst du den Smoothie aber auch mit dem Löffel füttern.

Am besten verwendest du am Anfang auch nur wenige Zutaten für den Smoothie, da es deinem Kind dann leichter fällt, die Mahlzeit zu verdauen. Beginne auch erstmal mit kleineren Mengen. Ein paar Teelöffel eines Smoothies reichen anfangs schon. So wirst du auch feststellen, ob dein Kind Smoothies annimmt oder nicht. Achte auch unbedingt auf die Konsistenz! Wenn dein Kind den Smoothie selbst trinken soll und du ihn nicht mit dem Löffel füttern möchtest, sollte der Smoothie möglichst dünnflüssig sein. Das erleichtert deinem Kind das Trinken. 

Wenn du gezielt grüne Smoothies mit Blattgrün anbieten möchtest, gelingt das am besten mit kleinen Mengen, damit das Blattgemüse im Geschmack nicht zu dominant ist. Auf sehr säurehaltige Zutaten, wie z.B. Mangold, solltest du anfangs unbedingt verzichten.

Frage Nr. 3: Ab wann dürfen Kinder Nussmus essen?

Das ist ein heiß diskutiertes Thema. Nüsse sind ein potenzielles Allergen, weshalb viele Fachleute davon abraten, Nüsse vor dem ersten Lebensjahr anzubieten. Ich würde dir aus diesem Grund dazu raten, zunächst mit Mandel-, Cashew- oder Sesammus (Tahini) einzusteigen. Mandeln gehören nämlich  nicht zu den allergensten Nüssen, da es sich dabei eigentlich um Steinobst handelt. Auch Cashews sind keine Nüsse, sondern Kerne, und Sesam ist eine Ölpflanze. Erdnüsse und Haselnüsse lösen dagegen deutlich schneller Allergien aus und sollten deswegen erst später gereicht werden.

Anfangs würde ich aber Nussmus nur unter einen Brei rühren, weil es pur doch sehr klebrig ist und vom Kind wahrscheinlich nicht so gut geschluckt werden kann.

Frage Nr. 4: Muss man bei Hülsenfrüchten für Kinder aufpassen wegen der Verträglichkeit?

Jein. Hülsenfrüchte sind natürlich schwerer zu verdauen als andere pflanzliche Lebensmittel. Aber wie bereits erwähnt, brauchst du dich vor der Einführung von Hülsenfrüchten in den Speiseplan deines Babys nicht zu scheuen. Beginne aber langsam und püriere sie anfangs. Kichererbsen und rote Linsen sind die ersten Hülsenfrüchte, die du deinem Kind gut geben kannst. Später kannst du ihm dann auch andere Bohnen anbieten, wenn es diese gut verträgt.

Frage Nr. 5: Was ist, wenn die Kinder viel gesundes Gemüse wie Brokkoli nicht mögen?

Ich würde immer erst einmal versuchen, meinem Kind das Gemüse immer wieder anzubieten. Denn Kinder brauchen teilweise einfach mehrere Anläufe, bevor sie sich an den Geschmack eines Gemüses gewöhnt haben und es dann auch essen. Teilweise spielen auch alte Mechanismen aus der Steinzeit eine Rolle, bei der gewisse Farben bei Lebensmitteln als giftig bewertet werden.

Alternativ kannst du auch versuchen, das Gemüse in Saucen zu verstecken. Brokkoli lässt sich beispielsweise mit Erbsen, etwas Tahini oder Öl gut pürieren und als Sauce zu Nudeln reichen – oder eben als Brei in der Beikostzeit. Ähnlich kannst du es auch mit anderem Gemüse machen. Gib nicht zu schnell auf und biete deinem Kind immer eine große Auswahl an Gemüse an. Wir kennen das ja vermutlich auch von uns selbst – Geschmacksnerven ändern sich und das, was man vor einiger Zeit nicht mochte, isst man heute vielleicht sogar sehr gerne. So ist es auch mit deinem Kind! 

Frage Nr. 6: Wie dosiert man die B12 Tropfen richtig?

Laut den Referenzwerten der DGE sollen Säuglinge in den ersten vier Lebensmonaten 0,5μg Vitamin B12 pro Tag zugeführt bekommen. Danach – also bis zum 12. Lebensmonat – sind es 1,4μg/Tag. Dafür eignet sich ein niedrig dosiertes Vitamin-B12-Präparat mit 5-10μg. Wenn du dein Kind nicht stillen solltest, enthält die Säuglingsanfangsnahrung bereits Vitamin B12, sodass du dann erst mit der Einführung der Beikost mit einem Vitamin-B12-Supplement für dein Baby beginnen musst.

Frage Nr. 7: Was hälst du von Soja im ersten Lebensjahr?

Soja ist leider mit allerhand Vorurteilen behaftet. Dabei ist es einfach eine proteinreiche Hülsenfrucht, die uns mit vielen Nährstoffen gut versorgen kann. Ich würde sie also nicht anders behandeln wie Kichererbsen, Bohnen und Linsen auch. Außerdem sind sich alle Ernährungs- und Krebsgesellschaften der Welt ebenso wie führende Gesellschaften für Kinder- und Jugendmedizin, die sich zum Thema Soja geäußert haben, einig, dass Sojabohnen nahrhafte und gesundheitsförderliche Lebensmittel sind. Die Berichte, die vor Soja warnen, beruhen auf Tierversuchen mit hohen Gaben von isolierten Phytoöstrogenen – den Stoffen, die Soja angeblich so schädlich machen. Die Ergebnisse lassen sich aber eben nicht 1:1 auf den Menschen übertragen, zumal wir uns ja nicht ausschließlich von isolierten Phytoöstrogenen oder Sojaprodukten ernähren!

Aus meiner Sicht spricht also nichts dagegen, einem Kleinkind schon etwas Soja – beispielsweise in Form von Tofu – zu geben. Natürlich ist Soja ein potenzielles Allergen, das man im Auge behalten sollte. Aber wie bei allen anderen Lebensmitteln auch, kannst du Soja langsam in den Speiseplan deines Kindes einführen und schauen, wie es reagiert. Zudem würde ich immer auf Bioprodukte zurückgreifen.


So, nun sind hoffentlich all eure Fragen rund um die vegane Ernährung für Kleinkinder beantwortet. Falls doch noch etwas unklar geblieben ist, kannst du mich gerne über das Kontaktformular anschreiben oder eine Beratung buchen.

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